Mittwoch, 26. Oktober 2016

Kraa (1-3) [Rezension]

Wer hätte heute damit gerechnet, dass es bereits eine weitere Rezension geben würde? Am allerwenigstens eigentlich ich selbst, aber so ein Feiertag verschafft nebst ausführlichen Lesestunden auch eine gehörige Energie erneut kräftig in die Tasten zu hauen. Und für eine wundervolle Trilogie wie diese opfert man die freien Stunden gern.


Inhalt:


Der Jungadler Kraa ist nach dem Verlust seiner Eltern ebenso wie der eingeborene Waisenjunge Yuma auf sich allein gestellt. Es gelingt ihnen eine starke schamaniste Verbindung zu knüpfen, dank derer sie sich verständigen und gemeinsam auf die Jagd begeben. Zu ihrem Überlebenskampf gehört es auch sich den gierigen Siedlern zu stellen, die ihr Tal bedrohen und dabei sehnt sich vor allem Yuma nach einer Art der Rache, die einzig mit Blut vergolten werden kann.

Mistys Meinung:


Seit ungefähr einem Jahr interessiere ich mich sehr für die Geschichte und Kultur der indigenen Bevölkerung Amerikas (oder auch Indianer, wie dem auch sei). Dabei bin ich sowohl für realistischere Berichterstattungen, als auch wildere, fiktive Märchen offen. Die Comic Trilogie Kraa hatte für mich dabei eine gute Mischung von beidem zu bieten und konnte mich sowohl durch die starken Bilder, als auch die traurige und mitunter blutrünstige Geschichte überzeugen.

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Gerne beginne ich wieder mit dem Stil der Bilder, die mich bei dieser Reihe gerade in ihrer Entwicklung von Band zu Band sehr begeistert haben. Zunächst erinnerten mich die klapprigen Mähren zu Beginn des ersten Bandes ziemlich stark an einen Western à la Lucky-Luke (und ich hatte Bedenken, ob mir dieser Stil über viele Seite hingweg gefallen würde) doch im Laufe der Geschichte scheinen sie sich ebenso zu verändern wie der heranwachsende Yuma und ließen keinerlei Beanstandung mehr von meiner Seite her zu.

Benoît Sokal versteht es wirklich meisterhaft die vorkommenden Tiere darzustellen, gleich ob es sich dabei um ihre Äußeres, ihre Bewegungen oder Gefühle handelt. Besonders den riesigen Adler Kraa fängt er mit all seiner Blutrünstigkeit perfekt ein und erzeugt eine stimmungsvolle Abfolge von Bildern. Aber auch Yumas seelische und körperliche Veränderung wird sehr toll widergegeben und im Lesefluss fiel mir der Übergang vom kleinen Jungen zum Erwachsenen kaum auf, so gut wird dieser in die Geschichte eingebettet.


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Was die Story selbst betrifft so nimmt sie sich einen sehr klassichen Ausgangspunkt: das Tal in dem Yuma und Kraa leben wird von der Raffgier einiger Städtler bedroht, die sich die Natur zu Untertan machen wollen, indem sie die Talenge vor der Stadt nützen wollen, um einen Staudamm zu errichten. Da der Eingeborerenstamm, dessen Mitglied auch der kleine Yuma ist diesem Vorhaben im Wege ist wird er kurzerhand von einigen grausamen Handlangern niedergemetzelt. Als einziger Überlebender schwört er sich Rache und die kommt dank seiner schamanistischen Fähigkeiten alsbald auf tödlichen Schwingen daher. Nebst dieser tollen, nicht ganz typischen Bruderschaft zwischen Mensch und Adler, finde ich auch Kraa für sich allein eine sehr spannende Figur. Er fungiert nicht nur als Akteur, sondern gewissermaßen auch als Sprecher, wenn zusätzlich zur Handlung Erklärungsbedarf für den Leser besteht. Seine Gedanken sind seinem tierischen Naturell entsprechend sehr pragmatisch aber sicherlich nicht frei von Poesie.

"Für die Bewohner des Tals bin ich der sichere Tod. Ich lese die Schwachen aus. Ich nehme sie aus der Welt und das kommt der Welt zugute."

Der Handlungsverlauf bleibt bis zuletzt brutal, doch ich muss sagen, dass ich diesen Hergang sehr genossen haben. Abgesehen davon, dass man nicht umhin kommt mit den ungerecht behandeltenden, leiden Hauptfiguren zu fühlen und Vergeltung für ihr Leiden zu fordern, finde ich einen Adler als Rächer ausgesprochen gelungen. Doch auch die Liebe bekommt ihren Platz in der Geschichte, wobei ich es ausgesprochen erholend fand, dass sie ein realistisches Auftreten erhält und frei von "deus-ex-machina" Problemlösungen bleibt. Auch die sonstigen Geschehnisse sind nicht immer vorhersehbar und weichen ein wenig von der üblichen Spannungskurve ab, was den Lesegenuss für mich noch weiter abgerundet hat.

Fazit:


Ein sehr gelungener Dreiteiler, der sowohl originelle wie auch klassische Elemente zu einer spannenden Geschichte vereint, die dank passender Bilder ein abgerundetes Leseerlebnis zu bieten hat.

Eine ausführliche Leseprobe gibt es hier.
 
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Titel: Kraa (1:Das verlorene Tal 2: Der Schatten des Adlers 3: Weißglühendes Gewitter)
Autor/Zeichner: Benoît Sokal
Verlag: Splitter
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgaben: 96, 64, 64
Reiheninfo: Band 1 - 3/3

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