Sonntag, 23. Juli 2017

FAY [Rezension]

Die Sommertage ziehen nur so dahin, während ich versuche mich kurz vor der nächsten Neuerscheinungswelle im aktuellen Buchbestand zurecht zu finden. Da ich aktuell aber ausgesprochen genrefröhlich unterwegs bin, weiß ich gar nicht mehr welche Titel auf meiner protzigen Leseliste ich mir zuerst vornehmen soll. Das folgende Buch konnte ich aber schon abhaken.



Inhalt:


Mit 17 Jahren hält die junge Fay nichts mehr zuhause. Sie entflieht den gewaltsamen Übergriffen ihres Vaters und wandert mit ein paar Dollern in der Tasche über die sommerlich heißen Landstraßen. Notgedrungen verlegt sie sich aufs Trampen und gerält dabei sowohl an zwielichte, als auch ehrliche Gestalten. Doch selbst ihrer Herkunft entflohen gerät sie in allerlei unglückliche Verstrickungen und trifft entsprechend impulsive Entscheidungen, die entsprechende Konsequenzen mit sich bringen.

Mistys Meinung:


Ich war ausgesprochen neugierig auf dieses Buch, auch wenn mir von vornherein bewusst war, dass ich bei Heyne Hardcare sicherlich keine leichte Kost serviert bekomme. Vielleicht hatte ich auch gerade deswegen ausgesprochen hohe Erwartungen an dieses Buch, die ich aber auch erfüllt bekam.

Der Schreibstil, aber auch das Setting von Larry Browns Geschichte, erinnerte mich teilweise stark an John Grisham, den ich oft gerade wegen seines quasi trockenen Stils sehr schätze. Auch Browns Schreibstil ist frei jeder "sprachlicher Schnörkel" und in seinen Formulierungen sehr direkt. Trotzdem bekommt man als Leser eine sehr detailreiche Schilderung der jeweiligen Umgebung, in der die Figuren sich aufhalten. Davon war ich als Leser von vornherein angetan und die Story entwickelte auch gerade dadurch eine starke Sogwirkung.

Besonders beeindruckend war für mich aber die Hauptfigur selbst. Fay ist eine wirklich faszinierend unschuldige Figur, die trotz ihrer entbehrlichen Herkunft nichts von ihrer Aufrichtigkeit eingebüßt hat und völlig unbedarft andere Menschen in ihren Bann zieht. Ich muss gestehen, dass ich anfangs recht stark das Gefühl hatte hinter diesem weiblichen Charakter einen männlichen Autor zu haben, der sie entsprechend seiner Vorstellungen lenkte. Dieser Eindruck lässt sich schlecht formulieren, ohne sich dadurch in seichtes "Gender-Fahrwasser" zu begeben, aber manchmal fand ich Fays Gedankenwelt nicht ganz authentisch.

"Larry Browns Protagonisten können einem das Herz brechen." *
Das vergaß ich jedoch recht schnell, da die Handlung mich derart packte, dass ich, vollkommen gebannt vom jeweiligen Verlauf, gar nicht aufhören konnte zu lesen. Das Buch bleibt ein Roman, hat jedoch starke Thriller-Einschläge, die für mich zum Teil unheimlich unerwartet auftauchten. An anderen Stellen wiederum baut der Autor starke Spannungshöhepunkte auf, die er dann jedoch im Sand verlaufen lässt, um bei anderen Passagen unerwartet grausam zuzuschlagen. Emotional war die Geschichte sehr bewegend und ich konnte nicht umhin mehrmals heimlich zu flüstern "Tu es nicht Fay!". Trotz ihrer -mitunter schwerwiegend falschen Entscheidungen- bleibt sie nämlich eine absolute Sympathieträgerin, deren Schicksal ich sehr aufgeregt verfolgt habe.

Was das Milieu der Figuren angeht sollte man sich mit dem chronischen Zigaretten- und Alkohlkonsum aller Charaktere arrangieren, der Autor führt diese Genussmittel nämlich pedantisch in jedem Kapitel mehrmals an. Es handelt sich hierbei übrigens um die erste Übersetzung von Brown ins Deutsche, aber ich denke, dass ich seine Bücher sicherlich auch gerne einmal auf Englisch versuchen werde, da die Originalsprache der Figuren sicherlich noch interessanter sein dürfte.

Fazit:


Ein ebenso spannender wie emotionaler Roman, der von einer beeindruckenden Hauptfigur bestimmt wird. Ihr ungeschöntes Leben in der Unterschicht der amerikanischen Südstaaten verleiht dem Buch ein besonders düsteres und packendes Flair.

Vielen Dank an Heyne Hardcore für dieses Rezensionsexemplar!

*Aus dem Nachwort von Alf Mayer.
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Titel: FAY
Autor: Larry Brown
Verlag: Heyne Hardcore
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 656 Seiten

Kommentare:

  1. Huhu!

    Vom Cover her hätte ich es niemals "Heyne Hardcore" zugeordnet! Das Buch klingt sehr interessant, das kommt direkt mal auf die Wunschliste. :-)

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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    1. Hallo Mikka :)

      Ja, auf den ersten Blick sieht dieses Buch ziemlich harmlos aus, die Geschichte passt aber letztlich seeehr gut zum Cover.

      Danke für die Verlinkung! :)

      Liebe Grüße!

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