Freitag, 29. Dezember 2017

Suleika öffnet die Augen [Rezension]

Da habe ich mich eben noch damit gebrüstet, ich hätte dieses Jahr noch keine Erkältung gehabt und plötzlich steht sie da. Aber so richtig aufdringlich, mit allen Extras beladen. Nun war ich also diese Woche so krank, dass ich tageweise nicht einmal lesen konnte. Eine Runde Mitleid bitte. Nun bin ich wenigstens wieder so zu Kräften gekommen, dass ich meine Bücher wieder stemmen kann. Eines davon habe ich besonders gerne gehalten.




Inhalt:


Suleika ist eine tatarische Bäuerin. Eingeschüchtert und rechtlos lebt die Mutter von vier im Säuglingsalter gestorbenen Kindern auf dem Hof ihres viel älteren Mannes. Ihr Weg zu sich selbst führt durch die Hölle, das Sibirien der von Stalin Ausgesiedelten.

Mistys Meinung:


Manchmal passieren sie mir durchaus; diese glücklichen Zufallsgriffe, völlig ohne Vorbehalt oder leisesten Ahnung. Bei Suleika war das Fall und ich bin begeistert. Allein thematisch ist dieses Buch für mich von großem Interesse, ich habe zwar schon ein paar wenige Titel über das Sowjetrussland, die Bolschewiki bzw. den Kommunismus in Romanform gelesen, allerdings noch nie in Bezug auf die "Entkulakisierung". Das hat sich mit diesem sehr detailreich beschrieben Geschichte nun geändert und zwar in seiner besten literarischen Form.

Dieses Buch erzählt eine ausgesprochen ernste und dramatische Geschichte und erregt dabei natürlich große Betroffeneheit beim Leser. Trotzdem ist und bleibt Suleika als Figur fiktiv und die Handlung ist auch abgesehen vom historisch-politischen Gehalt wunderschön zu lesen. Allein die Sprache ließ mich bei mehreren Formulierungen achtsam inne halten und die schönen Beschreibungen genießen. Die Geschichte lässt sich davon lösgelöst also auch sehr gut lesen, das Schicksal von Suleika geht in jeder Hinsicht nahe.

»Denken Sie oft darüber nach, was wäre, wenn?« Leibe schüttelt die Hände und unsichtbare Spritzer fallen von seinen Fingern in das tiefschwarze Wasser. »Nein.« »Recht so.« Wolf Karlowitsch steht auf und schaut auf seine in der Dunkelheit bleich erscheinen Hände. »Es ist nur das, was ist. Nur das.«

Zudem habe ich es sehr geschätzt, dass die Geschichte nicht nur ihre Figuren, sondern auch die Zeitgeschichte sehr ambivalent zeichnet. Natürlich sind die Enteignungen der tatarischen Bauern ein Verbrechen, das in den meisten Fällen einem Mord direkt gleich kommt, auf der anderen Seite ist Suleikas Leben vor der Enteignung auch keine Bilderbuchgeschichte, eingeengt von Relgion und Tradition. Darüber ließe sich natürlich diskutieren, es ist aber garantiert ein faszinierendes Frauenschicksal, das in diesem Roman im Vordergrund steht.

Fazit:


Sozial ausgesprochen kritisch, sprachlich brilliant und in jeder Hinsicht persönlich ergreifend. Ein wundervolles und zugleich sehr interessantes Buch.

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Titel: Suleika öffnet die Augen
Autorin: Gusel Jachina
Verlag: Aufbau
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 541 Seiten

Kommentare:

  1. Das Buch steht auch schon eine Weile auf meiner Wunschliste, aber noch ist es nicht eingezogen... Wieder eine tolle Rezi =)
    Liebe Grüße
    Martina
    https://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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    1. Hallo Martina :)

      Ich hoffe, dass das Buch bald eine Chance hat direkt bei dir einzuziehen! Es ist es wirklich wert :)

      Liebe Grüße!

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  2. Liebe Misty

    Du hast mir ein weiteres Wunschlistenbuch beschert :-)

    Und deine Rezension ist grandios. Wirklich sehr, sehr gelungen.

    Ich hoffe, dass du ganz gut gerutscht bist und ein paar schöne Festtage hattest. Auf jeden Fall alles Liebe und Gute dir für 2018 und ich würde mich von Herzen freuen, wenn du bei meiner Aktion "Blogger schenken Neujahrsfreude" mitmachen und so jemandem eine riesige Freude machen könntest.

    Herzliche Grüsse
    Livia

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    1. Hello Livia :)

      Ich denke das Buch könnte deinem Lesegeschmack ebenso entsprechen, womöglich versuchst du es ja bald einmal damit :)

      Dir auch ein gaaanz schönes neues Jahr :) Ich werde gleich auf deine Aktionsseite schauen!

      Liebste Grüße!

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